Schwerpunkt der Seniorenkonferenz 2015 wird das „Wohnen im Alter“ sein

Erstellt von Andreas Felber, Sprecher des Seniorenpolitischen Netzwerkes (SPN) | |   VS Aktuell

In den letzten Wochen haben sich die Mitglieder des Seniorenpolitischen Netzwerkes Chemnitz (SPN) hauptsächlich mit der Vorbereitung der Seniorenkonferenz 2015 am 25. September 2015 im Stadtteiltreff Clausstraße 27 beschäftigt. Schwerpunkt der Veranstaltung, die von 10:00 bis 15:00 Uhr geplant ist, wird das „Wohnen im Alter“ sein.

Im Vorfeld wurden von verschiedenen Gremien interessante Veranstaltungen zum Thema angeboten. 

Konferenz 

„Wohnen im Alter“ in Leipzig

Am 13. Juni nahmen die SPN-Mitglieder Ursula Liske, Silke Brewig-Lange, Werner Dietzsch, Dieter Siegert und Andreas Felber an einer Konferenz der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Leipzig unter dem Titel „Wohnen im Alter – für die einen eine konkrete Situation, für die anderen eine Zukunftsfrage, für die Kommunen eine Herausforderung heute und in Zukunft …“ teil. Vertreten waren Bundes- und Landtagsabgeordnete, Stadträte, Vertreter der Seniorenverbände und Wohnungsunternehmen.

Björn Wunderlich (MdB) stellte in seinen Einführungsworten fest, dass in Deutschland 1,2 Mio. barrierefreie Wohnungen fehlen würden. Daraufhin habe der Bund zu den 518 Mio. € Städtebauförderung 244 Mio. € draufgepackt. Laut der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind aber 3 Milliarden € notwendig. Das neue „Mietpreisbremsungsgesetz“ wäre zwar gut gemeint, werde aber durch viele Ausnahmen aufgeweicht.

Enrico Stange (MdL) lobte Chemnitz als Stadt mit dem größten Bevölkerungszuwachs in Sachsen in den letzten zwei Jahren. Das größte Problem wäre aber, dass Sachsen mit 1000,– € weniger monatlichen Einkommens hinter dem Westniveau zurückbleibe und damit spätestens in 10 Jahren Altersarmut vorprogrammiert sei. Das beträfe dann natürlich auch die Erfüllung der Wohnungswünsche der Generation 50+, „bezahlbare, eigene 4 Wände – so lange als möglich.“ Laut Statistik hätte es im Jahr 2010 in Sachsen 48.800 einkommensschwache Haushalte gegeben, deren Bewohner 65 Jahre oder älter sind. Für das Jahr 2025 werden 123.800 prognostiziert.

Positiv beeindruckte uns die Rede der Vertreterin des Seniorenbeirats Leipzig. Sie berichtete von dem „Wohnungspolitischen Konzept der Stadt Leipzig“. Es würden 10 Seniorenbüros in verschiedenen Stadtbezirken von der Stadt Leipzig finanziert und in Stadtteiltreffs oder Begegnungsstätten integriert werden und ein Arbeitskreis „Wohnen und Soziales“ mit Schwerpunkten wie „Altenfreundliches Leben“ und „Barrierearmes Wohnen“ bestehen.

Was bedeutet es für Leipzig, den Weg „Altenfreundliche Gestaltung“ fortzusetzen?

soziales Unterstützungssystem, Beratungsstellen und Seniorenbüros fördern,

barrierearmer Umbau von vielen Wohneinheiten durch Großvermieter über Projektfördermaßnahmen,

weitere abgestimmte, infrastrukturelle Maßnahmen im öffentlichem Raum, wie Bordsteinabsenkung, barrierefreie Fußgängerwege, Ausbau des Radwegenetzes,

regelmäßige Kontrolle der Mietpreisentwicklung – mehrjährige Maßnahmepläne für sozialen Wohnraum.

Diese guten Ideen und Ansätze von Leipzig „Für ein Altenfreundliches Leben“ müssen mit Unterstützung des Seniorenbeirats auch in der Stadt Chemnitz umgesetzt werden und sollten Thema der Seniorenkonferenz am 25. September sein.

Workshop „Zukunftsregion lebenswert gestalten“

Am 16. Juni war Andreas Felber als Vertreter der Volkssolidarität im SPN zum Workshop „ZUKUNFTSREGION lebenswert gestalten“ eingeladen. Neben den zwölf Hauptakteuren, die sich unter der Leitung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG) der Gestaltung einer Gesundheits- und Dienstleistungsregion „Mittleres Sachsen“ widmen, waren auch zahlreiche bekannte Partner, wie das Sächsische Staatsministerium, die TU Chemnitz, die IHK Chemnitz, die Handwerkskammer Chemnitz, das Klinikum Chemnitz gGmbH, Wohlfahrtsverbände, der Sozialverband VdK Sachsen e. V., das SFZ Förderzentrum gGmbH, die Stadtverwaltung Chemnitz, Sozialamt, u.a.m. vertreten.

Die Auswertung des Workshops erfolgt nach der Seniorenkonferenz 2015, da dort einer der Hauptakteure auch zu diesem Thema sprechen wird.

Sitzung des Seniorenbeirates

Am 7. Juli nahmen Peter Klingst als Mitglied des Seniorenbeirates der Stadt Chemnitz und Andreas Felber als Fraktionsgeschäftsführer VOSI/PIRATEN an der Sitzung des Seniorenbeirates der Stadt Chemnitz im SFZ-Förderzentrum gGmbH Chemnitz Flemmingstraße teil. Dort wurde das oben genannte Projekt, unter dem Namen „Chemnitz+“ vorgestellt. 

Schwerpunkte bildeten „Altern gestalten“ und „Leben im Quartier“. „Wir Alten sind selbst Gestalter und warten nicht darauf, gestaltet zu werden.“ Die Seniorenvertretungen seien nicht nur Lobby der Senioren, sondern „wir“ haben die Senioren zu mobilisieren. „Wir sehen die Demografie als Chance und gestalten den Wandel bunter …“

Wohnen sei Leben – „Alter leben“. Im englischen Sprachraum gäbe es sprachlich keinen Unterschied zwischen WOHNEN und LEBEN, sondern beides heiße „live“. Das Alter sei nichts Besonderes, sondern der normale Lebenslauf – auf der einen Seite gelebte Eigenverantwortung, auf der anderen Seite bereite die Gesellschaft die Menschen unzureichend auf das Leben im Alter vor und schaffe für die Mehrheit nicht die entsprechenden Voraussetzungen (geeigneter, finanzierbarer Wohnraum, die entsprechende Infrastruktur, Mitgestaltung und Mitbestimmung u. a. m.). 

Die Wohnung, das „Lebensquartier“, sei über die meisten Jahre unseres Lebens der wichtigste „Gesundheits- und Lebensstandort“. Auch im Alter würden die „häusliche Versorgung“ und die „ambulante Versorgung zu Hause“ im Vordergrund stehen.

Deshalb müsse es zukünftig ein Netzwerk zwischen Wohnungswirtschaft, Vermieter, sozialer Dienstleister, Ärzte, Pflegepersonal und handwerklicher Dienstleister geben.

Der Seniorensozialdienst der Stadt Chemnitz richtet als Bestandteil des Projektes „Chemnnitz+“ ein „Frühwarnsystem“ für Menschen in Notlagen ein und möchte für Vereinsamung sensibilisieren. Man könne nicht nicht kommunizieren. Das setzt eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen voraus (Entsprechende Infrastruktur und langfristige territoriale Entwicklungskonzepte).

Gesprächsrunde des GBM

Am 26. Juni nahm Prof. Dr. Werner Fürbaß, Sprecher des SPN, an einer Gesprächsrunde des Sprecherrates des Ortsverbandes der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e. V. (GBM) und Mitgliedern des Sächsischen Landtages DIE LINKE Susanne Schaper, Klaus Bartl und Horst Wehner teil. Im Verlaufe des Gesprächs wurden u. a. folgende Probleme herausgearbeitet:

Besonderes Augenmerk ist auf die „Generation 50 plus“ zu richten, weil viele durchbrochene Erwerbsbiografien besonders armutsgefährdet sind.

Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, um Behinderte stärker in den 1. Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Rente bei Erwerbsminderung ist völlig inakzeptabel.

Die Würde des Menschen ist im Grundgesetz verankert. Das trifft demzufolge auf alle, also auch auf Alte und Behinderte zu und ist umzusetzen.

Der Erlass des Seniorenmitwirkungsgesetzes muss durchgesetzt werden, notfalls mit einer Volksabstimmung.

Das Seniorenmitwirkungsgesetz müsse zentrales Thema bleiben und die Beseitigung der ungleichen Lebensverhältnisse in Ost und West sei zur Rentenangleichung am Wichtigsten. Die Senioren sollten mehr Selbstbewusstsein zeigen und gegebenenfalls auch Aktionen zur Durchsetzung ihrer Rechte durchführen. Mit dem Hinweis, diesen Informationsaustausch weiter durchzuführen und die Kontakte zu intensivieren, schloss Dieter Siegert die Gesprächsrunde ab.

(Auszüge aus dem Informationsblatt Nr. 40 Juli 2015 GBM-Ortsverband Chemnitz und Umgebung)