Stellungnahme zur Durchführung der Senioren­konferenz der Stadt Chemnitz am 1. Oktober 2008

|   Seniorenpolitisches Netzwerk Chemnitz

Es ist zu begrüßen, dass die Stadt Chemnitz anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen nach langer Pause dieses Motiv wieder durch eine öffentliche Veranstaltung, verbunden mit der Exposition seitens verschiedener Verbände, in anspruchsvollen Räumen gewürdigt hat. Der Dank gilt allen Mitarbeitern der Stadt, die diese mit viel Aufwand vorbereitet haben.
Im Mittelpunkt stand die Seniorenkonferenz unter dem Thema: „Chemnitz – eine seniorenfreundliche Stadt!?“ Geht man von Themenumfang und Zeit dieser Veranstaltung aus, kann man ihr eine ausgewogene Darstellung von Problemen, die ältere Menschen bewegen, bescheinigen. Das gestellte Thema im engeren Sinne gesehen, konnte damit allerdings nicht beantwortet werden. Wichtig ist aber, dass die Stadt Chemnitz sich wieder diesen Fragen stellt und diese oder eine ähnliche Form in den Folgejahren fortsetzen will.
Begrüßenswert war die Wahl des Veranstaltungssaales im DAStietz mit seiner hervorragenden technischen Ausstattung, die die Qualität der Auftritte wesentlich unterstützte.
In die Vorbereitung künftiger Vorhaben dieser Art werden sicher auch die Erfahrungen eingehen, die im Rahmen der Planung der diesjährigen Konferenz gesammelt wurden. Die Akteure sollten von vornherein einbezogen werden.
Begrüßenswert wäre es, wenn die vorgesehen Themen von Seniorinnen und Senioren, vertreten durch ihre Verbände und Einrichtungen, selbst stärker getragen würden. Dies erforderte auch ihre längerfristige Einbindung in die Auswahl und Vorbereitung der Themen. Mehr von den Seniorinnen und Senioren selbst als über sie geredet, müsste der Tenor lauten. Das könnte auch die Polemik fördern. Die Bezeichnung Seniorenkonferenz wäre damit eher gerechtfertigt.
Damit stellt sich die Frage der Öffentlichkeit und der Teilnehmer. Die Erfahrungen früherer Seniorentage, durchgeführt im Foyer der Stadthalle, ergaben, dass, obwohl zum Teil mit Kulturveranstaltungen verbunden, das gewollte Publikum ausblieb. Es verirrten sich nur wenige Menschen dorthin. Die Akteure, sprich die Vertreterinnen und Vertreter der Senioren- und Sozialverbände, blieben im Wesentlichen unter sich, obwohl die Publikation der Vorhaben besser war, als gegenwärtig.
So gesehen ist es ratsam, zwar den Zuhörerkreis gegenüber dem am 1. Oktober 2008 wesentlich zu vergrößern und den Raum zu füllen, aber in erster Linie durch Delegierung aus den Senioren- und Sozialverbänden einerseits sowie Vertretern aus zuständigen Einrichtungen der Stadt Chemnitz andererseits. Damit wäre erreicht, dass wenigstens erst einmal die organisierten Seniorinnen und Senioren vertreten wären. Außerdem könnte die Stadt Chemnitz dokumentieren, dass sich nicht nur das Sozialamt und die zuständige Bürgermeisterin für die älteren Bürgerinnen und Bürger zuständig fühlen.
Das schließt eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit nicht aus. Es ist verwunderlich, dass das Amtsblatt der Stadt Chemnitz für die Propagierung des „Seniorentages“ nur einen Fünfzeiler übrig hatte. Der gedruckte Flyer erreichte weder die Akteure noch ein Publikum. Auch über das Ergebnis war fast nichts zu lesen.
Für die künftige inhaltliche Gestaltung des Internationalen Tages der älteren Menschen wäre es angebracht, stärker von dem Memorandum MITGESTALTEN UND MITENTSCHEIDEN - ÄLTERE MENSCHEN IN KOMMUNEN auszugehen. Es war nicht zu übersehen, dass die Expositionen in der Gelben Lounge im DAStietz im Wesentlichen durch Wohlfahrtsverbände getragen wurden. Eine gewisse Kopflastigkeit im Hinblick auf Betreuung und Pflege gilt es zu überwinden. Wichtig scheint der Hinweis der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau von der Leyen, in einem Interview gegenüber der Zeitung „Freie Presse“: „Da gibt es das Vorurteil einerseits die vergnügungssüchtigen Alten auf Kreuzfahrt vor Mallorca... Andererseits das Schreckgespenst von den Pflegebedürftigen, die die mittlere Generation erdrücken. Beides gibt es, aber dazwischen liegt eine enorme Spannbreite eines aktiven Alters.“
Auch die Sozialbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Frau Lüth, sprach in ihrer Eröffnungsrede vor der Seniorenkonferenz ein breiteres Spektrum von Fragen zur Problematik älterer Menschen an, wie zum Beispiel die Teilhabe aller Generationen am gesellschaftlichen Leben, die Gewährleistung einer entsprechenden Mobilität, aber auch der Einkommen und der Sicherheit, Gesundheit und Pflege als auch der Migration. Wichtig auch der Hinweis, dass sich im Unterschied zu früher zwei Generationen im Seniorenalter befinden.
Hier eröffnet sich ein weites Feld von Themen, die sicherlich nicht nur in einer Seniorenkonferenz diskutiert werden können.


Prof. Dr. W. Fürbaß
Seniorenverband BRH