„Wohnen im Alter mit Würde, selbstbestimmt und bezahlbar“

Erstellt von Peter Eichler, Sprecher des SPN, Vertreter ISOR e.V./TIG Chemnitz, und Andreas Felber, Sprecher des SPN, Vertreter der Volkssolidarität Chemnitz | |   VS Aktuell

Rückblickend bewerteten die Sprecher der im Seniorenpolitischen Netzwerk Chemnitz vereinten Vereine, Organisationen und Initiativen die Seniorenkonferenz 2015 des Seniorenpolitischen Netzwerkes Chemnitz (SPN) als Erfolg. Die Redebeiträge u. a. von Sozialbürgermeister Philipp Rochold, Dr. Axel Viehweger (Verband sächsischer Wohngenossenschaften), Roswitha Kühnel (WG „Einheit“ eG Chemnitz) und Ulrike Ullrich (Geschäftsführerin der  Volkssolidarität Chemnitz) waren informativ und gaben zahlreiche Anregungen für die Arbeit in den Vereinen, der verantwortlichen politischen Akteure und waren interessant für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Wir sind uns als SPN bewusst, dass das nur ein kleiner Ausschnitt der kommunalen Arbeit zum anspruchsvollen Thema „Wohnen im Alter“ sein konnte. Das Sozialamt, Abteilung Senioren-, Behindertenhilfe, Örtliche Betreuungsbehörde und das Tochterunternehmen der Stadt Chemnitz GGG sind hier auch gefragt. Der Koordinierungskreis des SPN plant im 1. Halbjahr 2016 einen Workshop zu diesem Thema, in dem das Sozialamt, GGG, Vertreter des Seniorenbeirates und Stadträte (seniorenpolitische Sprecher der Fraktionen) einladen werden.

Als wichtigste Schlussfolgerung betrachten wir, dass das Wohnen Bestandteil des Lebens insgesamt ist und beides eine untrennbare Einheit bildet. 

Die Sprecher des SPN sehen es als Aufgabe, in ihren Vereinen und Verbänden die Umsetzung entsprechender Konzeptionen der Stadt Chemnitz und Projekte zu unterstützen und stadtteilbezogen zu hinterfragen.

Schwerpunkte bilden dabei 

  • das Städtebauliche Entwicklungskonzept – Chemnitz 2020/Gebietspässe (Bereiche Gesundheit, soziale Einrichtungen, Kultur, Nahversorgung, Nahverkehr)
  • die LEITLINIEN – STANDARDS – TRENDS für eine altersspezifische Daseinsfürsorge und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Senioren in Chemnitz 2009-2013 ? ALTENHILFEPLAN 
  • die LEITLINIEN für eine altersspezifische Daseinsfürsorge und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Senioren und Menschen mit Behinderung in Chemnitz, die Ergebnisse und die erste Fortschreibung 2014-2019

die Richtlinie zur Förderung von Begegnungseinrichtungen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und die jährliche Förderung von freien Trägern – für das entsprechende Haushaltsjahr.

Die Mitglieder des SPN werden regelmäßig an Sitzungen des Sozialausschusses, Behinderten- und Seniorenbeirat zu o.g. Themen teilnehmen.

Weiterhin mit großem Interesse verfolgen wir als SPN das Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „ZUKUNFTSREGION lebenswert gestalten“  in Mittelsachsen, speziell „Chemnitz +“.

Zu entsprechenden Seminaren wird das SPN vom Verband sächsischer Wohngenossenschaften regelmäßig eingeladen.

Interessant finden wir auch das „ERSTE MORGENSTADT CITY-LAB in Chemnitz“. Das Projekt läuft seit Mitte des Jahres und startet mit einer umfassenden Stadtanalyse anhand von über 80 Handlungsfeldern u. a. in den Bereichen Governance und Planung, Wirtschaft, Mobilität, Verkehr, Energie u.v.m.

Das SPN unterstützt die Vorschläge für das Wohnungspolitische Konzept in Leipzig. Diese Maßnahmen sollten auch in Chemnitz ihre Anwendung finden:

  1. Soziale Unterstützungssysteme für das altenfreundliche Wohnen wie Seniorenbüros. Beratungsstellen, der Allgemeine Sozialdienst der Stadt müssen in den kommenden Jahren ausgebaut werden.
  2. Barrierearmer Ausbau und Fortsetzung der vorgenommenen Wohnungsanpassungen. (Dafür geeignete Fördermaßnahmen finden, nicht für Fassadendämmung)
  3. Einbau technischer Grundlagen für Assistenzsysteme, nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei den Sanierungen, um späteren altenfreundlichen Umbau der WE zu ermöglichen.
  4. Infrastrukturelle Maßnahmen wie Bordsteinabsenkungen, Fußwegreparaturen, alten- bzw. behindertengerechte Haltestellen, sowie mehr Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum.
  5. Mietpreisentwicklungen (Kalt- aber vor allem auch Warmmiete) sollten im Interesse der Bürger unter regelmäßiger Kontrolle gehalten werden.

Das Wohnen, das altersgerechte Wohnen eingebunden, muss bezahlbar bleiben, wobei eine Definition des Begriffs Bezahlbarkeit die unterschiedlichen sozialen Umstände der Mieter berücksichtigen sollte. Der soziale Wohnungsbau muss dabei wieder eine größere Rolle in Chemnitz spielen. Die Versorgung mit Strom, Heizung und Wasser gehört zur Sicherstellung des bezahlbaren Wohnens und darf nicht den Profitinteressen einzelner Anbieter dienen. Die Begegnungsstätten und Stadtteiltreffs sind zu erhalten und ohne Kürzungen von der Stadt Chemnitz weiter zu fördern.

Das SPN wendet sich an die Stadtratsfraktionen, an den Seniorenbeirat und an die Verwaltung der Stadt Chemnitz mit der Bitte, zu o. g. Punkten regelmäßige Auskünfte zu erteilen, über wohnungspolitische Ziele und Maßnahmen  zu informieren, einschließlich Vorhaben zur Entwicklung der Infrastruktur unter Berücksichtigung der Interessen der Senioren und ihrer Einbeziehung im Gestaltungsprozess.